Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

Spotlight: Welt-AIDS-Tag 2018

WAT-Kampagne 2018Weltweit leben etwa 36,9 Millionen Menschen mit HIV. 2017 infizierten sich 1,8 Millionen Menschen neu mit dem Virus. 940.000 Menschen sind 2017 an AIDS verstorben. Noch lange haben nicht alle Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten.

In Deutschland kann man heute mit HIV bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie alt werden und leben wie andere Menschen auch. Eine Übertragung von HIV ist unter einer gut wirksamen Therapie nicht mehr möglich.

Zugleich erleben Menschen mit HIV immer noch Zurückweisung, Benachteiligung oder Schuldzuweisungen – in der Familie, im Freundeskreis, im Job, in der Freizeit und sogar im Gesundheitswesen. Abwertung und Ausgrenzung machen krank. Sie können zu psychischen Erkrankungen führen und Menschen von Arztbesuchen abhalten. Angst vor Zurückweisung hält Menschen auch vom HIV-Test ab. Sie leben dann oft lange Zeit ohne Behandlung mit HIV, bis sie schwer krank werden.

Am 1. Dezember 2018 findet der 30. Welt-AIDS-Tag statt. Ziel ist es, dafür zu sensibilisieren, wie wichtig ein Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung ist, und dafür, dass wir nur gemeinsam die Diskriminierung von Menschen mit HIV abbauen können.

2018 findet der 30. Welt-AIDS-Tag statt. Am 5. November 2018 fiel der Startschuss für die diesjährige Kampagne des Bundesministeriums für Gesundheit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Deutschen AIDS-Hilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung.

"Streich die Vorurteile!": Dieser Appell steht im Zentrum des diesjährigen Motivs zum Welt-AIDS-Tag. Es soll Diskriminierung von Menschen mit HIV entgegenwirken sowie Respekt und einen entspannten Umgang mit HIV-positiven Menschen im Alltag fördern.

"Du hast HIV? Damit komm nicht ich klar!", steht groß auf Plakaten, Anzeigen und Faltblättern geschrieben. Das "nicht" ist knallrot durchgestrichen. Damit sollen Menschen dazu angeregt werden, ihre eigenen Denk- und Verhaltensweisen gegenüber HIV-Positiven auf den Prüfstand zu stellen. Die Botschaft: Menschen mit und ohne HIV können im Alltag ganz entspannt zusammenleben. Mehr finden Sie unter welt-aids-tag.de.

In NRW waren im Jahr 2017 schätzungsweise 550 Neuinfektionen zu verzeichnen. Dies sind etwa 55 Infektionen weniger als 2016. Der Anteil der Menschen mit HIV, die Ende 2017 von ihrer Infektion wussten, konnte auf 87 Prozent gesteigert werden. Der Anteil der Menschen mit HIV, die von ihrer Infektion wussten und in Behandlung waren, stieg von 86 Prozent (2016) auf 92 Prozent (2017).

Laut der Eckdaten der Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) lag die Zahl der Neuinfektionen in NRW Ende 2017 bei etwa 550. Dies sind etwa 55 Infektionen weniger als im Jahr 2016. Ca. 450 Personen sind Männer, etwa 110 Personen Frauen.

Rund 360 Personen haben sich über mann-männlichen Sex infiziert. Etwa 130 Personen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert. Rund 65 Personen haben sich über i.v. Drogengebrauch infiziert, und damit etwa 5 Personen mehr als 2016.

Am Ende des Jahres 2017 lebten rund 18.600 (Schwankungsbreite: 17.200 - 20.100) Menschen mit HIV oder AIDS in NRW. Etwa 15.000 sind männlich, etwa 3.600 weiblich. Der Anteil der Menschen mit HIV, die von ihrer Infektion wussten, betrug 87 Prozent (2016: 86 Prozent). Der Anteil der Menschen mit HIV, die von ihrer Infektion wussten und eine antiretrovirale Therapie erhielten, stieg von 86 Prozent (2016) auf 92 Prozent (2017).

Gegen den Bundestrend steigt die Anzahl der Menschen ohne HIV-Diagnose in NRW nicht weiter an. Hier scheinen vor allem Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben, von zielgruppenspezifischen Testangeboten zu profitieren; für den heterosexuellen Übertragungsweg und den i.v. Drogengebrauch als Übertragungsweg gilt dies leider nicht.

HIV-Erstdiagnosen wurden in NRW im Jahr 2017 etwa 760 gestellt, etwa 270 davon (36 Prozent) erst bei fortgeschrittenem Immundefekt. Von den 270 Personen wiesen 130 bereits AIDS-definierende Erkrankungen auf. 2017 gab es etwa 110 Todesfälle bei HIV-Infizierten.

Mehr lesen Sie in den RKI-Eckdaten für NRW 2017.

Ausführliche Details zur Situation in Deutschland finden Sie im Epidemiologischen Bulletin 47/2018 des Robert Koch-Institutes.
Lesen Sie dazu auch die gemeinsame Presse­mitteilung des Bundes­ministeriums für Gesundheit und des Robert Koch-Instituts unter rki.de und die Pressemeldung der Deutschen AIDS-Hilfe unter aidshilfe.de.

Deutschlandweit waren im Jahr 2017 schätzungsweise 2.700 Neuinfektionen zu verzeichnen. Dies sind etwa 210 Infektionen weniger als 2016. Der Anteil der Menschen mit HIV, die Ende 2017 von ihrer Infektion wussten, konnte auf 87 Prozent gesteigert werden. Der Anteil der Menschen mit HIV, die von ihrer Infektion wussten und in Behandlung waren, stieg von 86 Prozent (2016) auf 92 Prozent (2017).

Laut der Eckdaten der Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) für Deutschland lag die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland Ende 2017 bei etwa 2.700. Dies sind etwa 210 Infektionen weniger als im Jahr 2016. Ca. 2.100 Personen sind Männer, etwa 550 Personen Frauen.

Rund 1.700 Personen haben sich über mann-männlichen Sex infiziert. Etwa 680 Personen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert. Rund 320 Personen haben sich über i.v. Drogengebrauch infiziert, und damit etwa 25 Personen mehr als 2016. Die Mutter-Kind-Übertragungen lagen unter 10.

Am Ende des Jahres 2017 lebten rund 86.100 (Schwankungsbreite: 80.100 - 92.600) Menschen mit HIV oder AIDS in Deutschland. Etwa 69.100 sind männlich, etwa 17.000 weiblich. Der Anteil der Menschen mit HIV, die von ihrer Infektion wussten, betrug 87 Prozent (2016: 86 Prozent). Der Anteil der Menschen mit HIV, die von ihrer Infektion wussten und eine antiretrovirale Therapie erhielten, stieg von 86 Prozent (2016) auf 92 Prozent (2017).

HIV-Erstdiagnosen wurden in Deutschland im Jahr 2017 etwa 3.300 gestellt, etwa 1.100 davon (33 Prozent) erst bei fortgeschrittenem Immundefekt. Von den 1.100 Personen wiesen 510 bereits AIDS-definierende Erkrankungen auf. 2017 gab es etwa 450 Todesfälle bei HIV-Infizierten.

Mehr lesen Sie in den RKI-Eckdaten für Deutschland 2017.
Ausführliche Details zur Situation in Deutschland finden Sie im Epidemiologischen Bulletin 47/2018 des Robert Koch-Institutes.
Lesen Sie dazu auch die gemeinsame Presse­mitteilung des Bundes­ministeriums für Gesundheit und des Robert Koch-Instituts unter rki.de und die Pressemeldung der Deutschen AIDS-Hilfe unter aidshilfe.de.


Repräsentative Bevölkerungsbefragung anlässlich des Welt-AIDS-Tages 2017

"Die Mehrheit der Bevölkerung gibt an, in Bezug auf das Thema HIV/ AIDS keine Berührungsängste zu haben. Im alltäglichen Umgang mit HIV-positiven Menschen bestehen bei Teilen der Befragten aber immer noch Unsicherheiten. Diese manifestieren sich mitunter in Vorurteilen, Schuldzuweisungen und Ablehnung ("Menschen mit HIV sind selbst schuld an ihrer Erkrankung", "Ich würde mich schämen, wenn jemand in meiner Familie mit HIV infiziert wäre")." ... Nur jede*r Zehnte weiß, dass eine antiretrovirale Behandlung einen wirksamen Schutz vor einer HIV-Übertragung darstellt. ... "Bei der Bewertung unterschiedlicher Situationen, die bei der Begegnung oder dem Zusammenleben mit HIV-positiven Menschen auftreten können, zeigt sich über verschiedene Lebensbereiche hinweg, dass Bedenken und Sorgen umso größer werden, wenn es zum direkten (Körper-)kontakt kommt. Direkt oder indirekt können hieraus Situationen entstehen, in denen Menschen mit HIV im Alltag Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt sind." Dies sind einige Ergebnisse der repräsentativen Bevölkerungsbefragung der BZgA anlässlich des Welt-AIDS-Tages 2017. Mehr lesen Sie unter bzga.de.

Die HIV-Neudiagnosen nehmen laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) 2017 in der WHO-Region Europa weiter zu. 2017 wurden fast 160.000 HIV-Neudiagnosen gemeldet. Insgesamt ist der zunehmende Trend nicht so steil wie in den Jahren zuvor.

Der östliche Teil der Region verzeichnete über 130.000 neue HIV-Diagnosen, die höchste Zahl, die es je gab. Im Gegensatz dazu meldeten die Länder der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EU/EWR) insgesamt einen Rückgang der Neudiagnosen, hauptsächlich aufgrund eines Rückgangs von 20 Prozent seit 2015 bei Schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben. Der Rückgang fand allerdings nicht in allen EU-/EWR-Ländern statt, in einem Drittel dieser Staaten stiegen die Neudiagnosen an.

Aus der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum wurden 25.353 HIV-Neudiagnosen gemeldet, was einer Inzidenz von 6,2 pro 100.000 Einwohner*innen entspricht. Der Anteil der Diagnosen, die erst bei einem fortgeschrittenen Immundefekt (CD4 < 350 cells/mm3) gestellt wurden, lag bei 49 Prozent.

Als Übertragungswege werden bei 38 Prozent mann-männlicher Sex, bei 17 Prozent heterosexueller Sex (Männer), bei16 Prozent heterosexueller Sex (Frauen), bei 4 Prozent i.v. Drogengebrauch, bei kleiner einem Prozent eine vertikale Transmission angenommen. Bei 24 Prozent ist der Übertragungsweg unbekannt.

Aus technischen Gründen konnte Deutschland in diesem Jahr leider keine Daten an das ECDC liefern.

  • Empfohlen wird die Aufrechterhaltung und Verstärkung evidenzbasierter HIV-Präventionsmaßnahmen, die auf den lokalen epidemiologischen Kontext zugeschnitten sind und auf die am stärksten gefährdeten Personen abzielen.
  • HIV-Tests sollen verstärkt angeboten werden, um die hohe Anzahl an Spätdiagnosen zu vermindern. Ebenso soll die Verknüpfung mit Behandlungsangeboten verbessert werden.
  • Programme für Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben, sollten ein Eckpfeiler der HIV-Prävention in allen EU/EWR-Ländern sein.
  • Angesichts des hohen Anteils von HIV-Infektionen unter Migrant*innen in vielen EU-/EWR-Ländern, die viele Menschen erst nach der Mirgation erworben haben, sind auf Migrant*innen zugeschnittene Präventionsangebote von entscheidender Bedeutung.
  • Für i.v. drogengebrauchende Menschen werden weiterhin Maßnahmen der Schadensminimierung benötigt.

Eine Präsentation, die die Daten für die EU und den EWR zusammenfasst, finden Sie unter ecdc.europa.eu.

Den gesamten Bericht finden Sie unter ecdc.europa.eu.

Laut AIDS-info von UNAIDS lebten 2017 auf der Welt 36,9 Millionen Menschen mit HIV. 2017 infizierten sich 1,8 Millionen Menschen neu mit dem Virus. 940.000 Menschen sind 2017 an AIDS verstorben. 2017 wussten drei Viertel aller Menschen mit HIV weltweit von ihrer Infektion. 79% davon hatten Zugang zu Behandlung. Davon hatten 81% eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Mehr lesen Sie hier (PDF).

In den vergangenen Jahren sind erhebliche Fortschritte gemacht worden. Die 90-90-90-Ziele sind jedoch in Gefahr. "Teilerfolge bei der Rettung von Leben und der Verhinderung neuer HIV-Infektionen machen einer gewissen Selbstzufriedenheit Platz", so Michel Sidibé, UNAIDS Executive Director im Juli 2018. Mit dem "Global AIDS Update 2018: Miles to go" will er die Welt wachrütteln, sich mehr zu engagieren. Sie finden das Update unter unaids.org.


Wissen ist Macht - Der neue UNAIDS-Report

Der neue UNAIDS-Bericht trägt den Titel "Wissen ist Macht". Der Titel soll verdeutlichen, dass nur das Wissen um den eigenen HIV-Status eine erfolgreiche Behandlung ermöglicht. Gleichzeitig weist der Bericht darauf hin, dass die größten Hindernisse für einen HIV-Test Stigmatisierung und Diskriminierung sind. Schätzungsweise 9,4 Millionen Menschen, die weltweit mit HIV leben, wissen nicht, dass sie HIV-positiv sind.

Studien zeigen, dass die Angst gesehen zu werden, und, im Falle eines positiven Testergebnisses, die Furcht, dass das Testergebnis nicht vertraulich behandelt werde, den Zugang zu Beratungs- und Behandlungsangeboten verhindern. Für gesellschaftlich ohnehin diskriminierte Gruppen, wie schwule Männer, Transgender, Sexarbeiter*innen, i.v. Drogen gebrauchende Menschen, Menschen in Gefängnissen und anderen geschlossenen Einrichtungen sowie Migrant*innen ist der Zugang noch schwieriger.

UNAIDS beklagt auch, dass die Behandlungsqualität weltweit noch erheblich zu wünschen übrig lässt: Nur vier Fünftel der Behandelten erreichen eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Oft fehlt es einfach an technischen Möglichkeiten, die Viruslast regelmäßig zu messen, um so eine optimale Therapiestrategie zu entwickeln.

Mehr lesen unter unaids.org.

 

Eine der eindrücklichsten Botschaften, die von der 22. Internationalen AIDS-Konferenz im Jahr 2018 in die ganze Welt ging, lautet "n = n: nicht messbar = nicht übertragbar" (englisch: u = u: undetectable = untransmittable).


n = n: Ist das etwas Neues?

Ist das etwas Neues? Nein und doch ja. Die Tatsache ist grundsätzlich längst bekannt: Es finden keine HIV-Übertragungen statt, wenn die Viruslast durch eine antiretrovirale Therapie unter der Nachweisgrenze liegt.

Gleichwohl wurde in wissenschaftlichen Kreisen oft lieber von einem "vernachlässigbaren Risiko" als von "keinem Risiko" gesprochen, was für den Alltag von Menschen mit HIV eine zwiespältige Botschaft ist.

2017 haben Wissenschaftler*innen auf der Konferenz der Internationalen AIDS-Gesellschaft geprüft, ob die Datenlage dafür ausreicht, die Aussage zu treffen, dass HIV bei einer nicht nachweisbaren Viruslast nicht übertragbar ist. Das Urteil war einstimmig: Ja!

Community-Mitglieder und Wissenschaftler*innen haben gemeinsam überlegt, wie das Faktum transportiert werden kann, und haben die Botschaft "n = n: nicht messbar = nicht übertragbar" entwickelt. Diese Aussage wurde von mehr als 720 HIV-Organisationen aus beinahe 100 Ländern unterschrieben, darunter führende wissenschaftliche und medizinische Organisationen wie die Internationale AIDS-Gesellschaft, UNAIDS und die Britische HIV-Vereinigung.

n = n will keine Primärpräventionsbotschaft sein (wie etwa Schutz durch Therapie). n = n ist eine Botschaft, die Menschen mit HIV ermutigen will, Scham und Angst abzulegen, an der Gesellschaft teilzuhaben, ihre Sexualität zu leben und Kinder zu bekommen.

Mehr lesen Sie in unserem Spotlight "n = n. nicht messebar = nicht übertragbar".

Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben sich 2016 verpflichtet, eine anspruchsvolle Agenda umzusetzen, um bis 2030 die AIDS-Epidemie zu beenden.

Damit dies gelingen kann, sollen bis 2020 die sogenannten 90-90-90-Ziele erreicht werden:

  • 90 Prozent aller mit HIV Lebenden sollen von ihrer Infektion wissen.
  • 90 Prozent aller Diagnostizierten sollen Zugang zur Behandlung haben.
  • Bei 90 Prozent der Behandelten soll HIV nicht mehr nachweisbar sein.

Zugleich gelte es, neue HIV-Infektionen durch den Abbau von Stigma und Diskriminierung zu verhindern (0 Prozent Diskriminierung) und sicherzustellen, dass 90 Prozent aller Menschen Zugang zu den verschiedenen Angeboten der HIV-Prävention haben.

Die rote Schleife symbolisiert weltweit Solidarität mit Menschen mit HIV/AIDS. Im Frühjahr 1991 entwickelte Visual AIDS in New York die Idee für ein globales Symbol im Kampf gegen die Immunschwäche AIDS.

Ein Symbol für Solidarität und Toleranz gegenüber den von der Gesellschaft häufig ausgegrenzten HIV-Positiven und AIDS-Kranken. Seit der Nutzung der roten Schleife in Deutschland im Jahr 1993 wurden hier viele Millionen roter Schleifen verteilt.