Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

Spotlight: Netzwerke Sexualität und Gesundheit

Die HIV-Neuinfektionen sind in Nordrhein-Westfalen seit 2014 relativ konstant und in 2017 leicht gesunken. Dennoch erfolgen ein Drittel der HIV-Erstdiagnosen in Nordrhein-Westfalen unverändert erst bei einem fortgeschrittenen Immundefekt (Spätdiagnosen).

Gleichzeitig steigt seit 2015 die Zahl der Syphilisdiagnosen. Zudem haben Gonokokken-Infektionen aktuellen Schätzungen des Robert Koch-Instituts zufolge in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Auch die Häufigkeit von Chlamydien-Infektionen bei Frauen und Männern wird als erheblich eingeschätzt.

In Nordrhein-Westfalen existieren gute und vielfältige Möglichkeiten zur Information, Beratung, Test und Behandlung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Der Zugang ist jedoch nicht für alle Bürger*innen gleich gut und die Überleitung zwischen den verschiedenen Angeboten sollte verbessert werden.


Sektorenübergreifende Verzahnung zwischen den Angeboten

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW unterstützt daher seit September 2019 fünf regionale Netzwerke zu "Sexualität und Gesundheit" für die nächsten zweieinhalb Jahre. Ziel ist die sektorenübergreifende Verzahnung zwischen den Angeboten, insbesondere im ländlichen Raum und über kommunale Strukturen hinweg.

Die Netzwerke widmen sich verschiedenen Zielgruppen und sind in unterschiedlichen Regionen angesiedelt. Ziel der Förderung ist, dass mehr Menschen, insbesondere im ländlichen Raum, die vielfältigen Angebote frühzeitiger und häufiger in Anspruch nehmen.

Der Schwerpunkt liegt auf der besseren Erreichung der Zielgruppen, die bisher in Siegen nicht gut erreicht wurden, zum Beispiel schwule Männer, Drogenkonsument*innen und Sexarbeiterinnen. Dies soll durch den Aufbau eines Netzwerks mit örtlichen Beratungsstellen, Ärzt*innen und nahegelegenen Kliniken zur sexuellen Gesundheit unter anderem mit aufsuchender Arbeit ermöglicht werden.

Schwerpunkt ist der Auf- und Ausbau eines Netzwerks zur Gesundheitsförderung von Sexarbeiter*innen in der Stadt Bielefeld und im Kreis Herford unter anderem durch die Entwicklung neuer Zugangswege.

Das Netzwerk legt einen besonderen Fokus auf die frühe Erreichung und die Verbesserung der infektiologischen Versorgung von drogengebrauchenden Menschen in Essen, Duisburg und im Kreis Wesel. Hier sollen auch Nutzer*innen von Party-Drogen durch einen Peer-to-Peer-Ansatz einbezogen werden.

Mit der Förderung wird die Einrichtung eines Netzwerks "Sexualität und Gesundheit" im Regierungsbezirk Münster, insbesondere in den ländlichen Regionen unterstützt. Die vernetzte Zusammenarbeit von Medizin, Öffentlichem Gesundheitsdienst, Aidshilfe und weiteren Nichtregierungsorganisationen, eine gesicherte Weiterleitung innerhalb der Kooperationspartner*innen und ein offener und schamfreier Zugang sollen in die Fläche gebracht werden.

Die Förderung zielt primär auf eine bessere hausärztliche Versorgung von Menschen mit HIV im ländlichen Rhein-Sieg-Kreis. Mit dem Aufbau des Netzwerks werden Hausärzt*innen mit Schwerpunktbehandler*innen und der Universitätsklinik Bonn vernetzt.