Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

Spotlight: MPX-Viren ("Affenpocken")

Foto: Andrea Männel, Andrea Schnartendorff / RKIEine Übertragung von MPX-Viren von Mensch zu Mensch ist laut Robert Koch-Institut nur bei engem Kontakt möglich. Sie kann durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten und den typischen Hautveränderungen der Infizierten stattfinden, unter anderem auch im Rahmen sexueller Aktivitäten.

Die wichtigsten Botschaften lauten:

  1. Symptome ärztlich untersuchen lassen
  2. Stigmatisierung vermeiden


Bisher sind vor allem Männer, die sexuelle Kontakte mit Männern hatten, betroffen; die MPX-Viren können prinzipiell aber jeden betreffen. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es bestätigte Fälle.

Bei den meisten Menschen mit gesundem Immunsystem scheinen die MPXV-Infektionen einen milden Verlauf zu nehmen. Das RKI schätzt die Gesundheitsgefährdung für die breite Bevölkerung derzeit als gering ein. Bislang sind keine gesicherten Aussagen darüber zu treffen, wie gefährlich die MPXV-Infektionen für Menschen mit HIV sind. Es scheint aber plausibel, dass HIV-Positive unter funktionierender Therapie und gutem Immunstatus nicht gefährdeter sind als andere. Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem könnte ein höheres Infektionsrisiko und ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf bestehen. Hierzu fehlen bislang aber belastbare Daten.

12.08.2022 - Die Aidshilfe NRW kritisiert, dass die Menge der bislang zur Verfügung stehenden Impfdosen gegen das MPX-Virus ("Affenpocken") bei weitem nicht ausreicht. Der Landesverband der Aidshilfen in Nordrhein-Westfalen fordert das Bundesgesundheitsministerium auf, so bald wie möglich im ausreichenden Maß Impfstoff zu beschaffen und eine langfristige Impfstrategie zu entwickeln.

10.08.2022 - Die ZEIT ONLINE berichtet, dass ein Sprecher der EU-Kommission bereits am 09.08.2022 erklärt hatte, dass derzeit mit den betreffenden Unternehmen Gespräche geführt würden, um zu klären, wie die Produktionskapazität für den Impfstoff erhöht werden könne

04.08.2022 - Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) NRW hat eine aktualisierte Liste aller Impfstellen veröffentlicht.

02.08.2022 - Das RedaktionsNetzwerk Deutschland berichtet, dass das Bundesgesundheitsministerium - abgesehen von den bereits bestellten 240.000 Dosen und weiteren unbezifferten Lieferungen über die EU - derzeit keine weiteren Bestellungen von Impfstoff plant.

29.07.2022 - Die Deutsche Aidshilfe fordert die Beschaffung von einer Million Impfdosen, um einer halben Million Menschen einen dauerhaften Impfschutz zu bieten. Es dürfe nicht dazu kommen, dass impfmotivierten schwulen Männern die Impfung verweigert werde. Der Bund solle so schnell wie möglich bestellen, denn kurzfristige Käufe würden in nächster Zeit kaum möglich sein. Es gelte vorzusorgen.

29.07.2022 - Im Deutschen Ärzteblatt wurden erste klinische Beobachtungen veröffentlicht. Es wurden demografische Charakteristika, bestehende Koinfektionen (HIV, Hepatitis B und C), diagnostizierte weiter sexuell übertragbare Infektionen in den letzten sechs Monaten sowie Erkrankungssymptome und Hospitalisierungstage von 301 Patienten erfasst.

27.07.2022 - Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hat wegen der MPX-Ausbreitung einen Brandbrief an die zuständigen Minister*innen der EU-Staaten geschickt. Sie fordert ein verstärktes, konzertiertes und koordiniertes Vorgehen. "Es ist keine Zeit für Selbstzufriedenheit, und wir müssen weiter zusammenarbeiten, um den Ausbruch zu kontrollieren."

25.07.2022 - Das MAGS NRW hat über die Bezirksregierungen die Impfstellen informiert, den vorhandenen Impfstoff ausschließlich für Erstimpfungen zu verwenden. Außerdem wurde eine aktualisierte Liste der Impfstellen veröffentlicht.

23. Juli 2022 - Am 23. Juli erklärte der WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesusin den weltweiten MPX-Ausbruch zu einer internationalen gesundheitlichen Notlage (Public Health Emergency of International Concern, PHEIC).

21.07.2022 - Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, bei Impfstoffmangel zunächst nur eine Impfstoffdosis pro Person zu verimpfen.

21.07.2022 - Das Robert Koch-Institut hat im Epidemiologischen Bulletin Nr. 29 vom 21. Juli 2022 eine Situationsbeschreibung zum weltweiten Affenpocken-Ausbruch veröffentlicht. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen finden Sie unter aids-nrw.de.

18.07.2022 - Die Deutsche Aidshilfe hat eine FAQ-Liste zum Thema "Häufige Fragen rund um die CSD-Saison und „Affenpocken“ (MPX)" zusammengestellt unter aidshilfe.de.

15.07.2022 - Das MAGS NRW hat Informationen zur Verfügbarkeit des Impfstoffs gegen MPX-Viren und zu den impfendenen Stellen veröffentlicht.

Zielgruppenspezifische Informationen

Den aktuellen Informationsflyer des Robert Koch-Institutes (RKI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Sie unter rki.de. Die englische Version finden Sie unter rki.de.

Eine Liste der Deutschen Aidshilfe mit häufig gestellten Fragen finden Sie unter aidshilfe.de.

Videos der Deutschen Aidshilfe zum Thema finden Sie unter youtube.com.

Alle wichtigen Informationen für schwule cis und trans Männer sowie andere Männer, die Sex mit Männern haben, finden Sie auf der Webseite der Ich-weiss-was-ich-tu-Kampagne der Deutschen Aidshilfe.

Die Deutsche Aidshilfe hat auch eine Liste zum Thema "Häufige Fragen rund um die CSD-Saison und „Affenpocken“ (MPX)" zusammengestellt unter aidshilfe.de.

Das European Centre for Disease Prevention and Control hat in Zusammenarbeit mit den Community und Public-Health-Expert*innen ein englischsprachiges Faktenblatt für schwule und bisexuelle Männer sowie für andere Männer, die Sex mit Männern haben, erstellt: Navigating monkeypox: considerations for gay and bisexual men and other men who have sex with men.

Die PoxApp der Berliner Charité richtet sich an Personen, die vermuten, dass sie sich mit dem MPX-Virus infiziert haben. Nach der Beantwortung eines anonymen Fragebogens (Dauer: max. 5 min.) gibt die App eine Einschätzung ab, ob eine Infektion wahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich ist, und gibt konkrete Handlungsempfehlungen, wie zum Beispiel die telefonische Kontaktaufnahme mit dem*der Hausärzt*in. Die App finden Sie unter poxapp.charite.de.


Informationen für die Allgemeinbevölkerung

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hält Informationen für die Bürger*innen bereit unter infektionsschutz.de.

Informationen des Robert Koch-Institutes

Den aktuellen Informationsflyer des Robert Koch-Institutes (RKI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Sie unter rki.de. Die englische Version finden Sie unter rki.de.

Eine Liste des RKI mit häufig gestellten Fragen zu Übertragung, Symptomen, Diagnostik und Behandlung und Prävention/Schutz des RKI finden Sie unter rki.de. Weitere Informationen des RKI für Fachpersonal in der medizinischen Versorgung, u.a. zu Hygiene, Isolierung und Behandlung, finden Sie unter rki.de.

Eine FAQ-Liste des RKI zum Thema Impfungen finden Sie unter rki.de.

Den aktuellen Sachstand beschreibt das RKI im Epidemiologischen Bulletin Nr. 29 vom 21. Juli 2022. Das Bulletin enthält Informationen unter anderem zur Epidemiologie, zu Übertragung und Symptomen, und zum weiteren Ausblick.


Mitarbeitende von Aidshilfe-Organisationen

Ehrenamtliche und angestellte Mitarbeitende von Aidshilfe-Organisationen, die Mitglied der Deutschen Aidshilfe sind, können eine Mitgliedschaft in der Gruppe ´MPX/"Affenpocken"´ im Intranet der Deutschen Aidshilfe beantragen. Ziel der Gruppe ist der Austausch über Informationen rund um das Thema MPX (Botschaften zur Prävention, Fragen rund um die Impfung, Fragen aus der/für die Beratung usw.).

Regelmäßig aktualisierte Informationen zum Thema Impfung sowie eine Liste der Impfstellen in NRW finden Sie im Spotlight MPX-Impfung.

UNAIDS hat seine Besorgnis darüber geäußert, dass in einigen öffentlichen Berichten und Kommentaren über die MPXV-Infektionen Sprache und Bilder verwendet wurden, insbesondere Darstellungen von LGBTI- und afrikanischen Menschen, die homophobe und rassistische Stereotypen verstärken und die Stigmatisierung verschlimmern. Die Lehren aus der Aids-Bekämpfung zeigen, dass Stigmatisierung und Schuldzuweisungen an bestimmte Personengruppen die Reaktion auf einen Ausbruch schnell untergraben können.

UNAIDS fordert Medien, Regierungen und Communities auf, mit einem auf Rechten und Fakten basierenden Ansatz zu reagieren, der Stigmatisierung vermeidet. Mehr lesen Sie unter unaids.org.

Der aktuelle Name der Infektion/Erkrankung "Affenpocken" löst problematische, abwertende Gedankenverbindungen aus, als sei der Virus und deren Träger*innen "tierisch" oder "primitiv". Wir nützen daher hier überwiegend den Fachbegriff "MPX-Viren" oder kurz: "MPXV". Allerdings können wir hier nicht ganz auf den Begriff "Affenpocken" verzichten, da andernfalls Informationssuchende unsere Beiträge nicht finden würden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits 2015 Leitlinien zur Benennung neuer menschlicher Krankheiten herausgegeben. Die WHO empfiehlt darin, zum Beispiel Länder- oder Tiernamen nicht zur Benennung von Infektionen oder Erkrankungen zu verwenden, um unter anderem die Diskriminierung kultureller, sozialer, nationaler, regionaler, beruflicher oder ethnischer Gruppen zu vermeiden. Deshalb arbeitet die WHO derzeit an einer neuen Bezeichnung für das Virus und die Erkrankung.

Die aktuelle Anzahl der aus ganz Deutschland an das RKI übermittelten Fälle finden Sie unter rki.de.

Gemäß einer Survstat-Abfrage am 28.07.2022 mit dem Datenstand vom 27.07.2022 wurden aus 44 Kreisen/Städten Nordrhein-Westfalens seit dem ersten Auftreten von MPX 506 Infektionen an das Robert Koch-Institut gemeldet. Die Inzidenz liegt damit bei 2,82 (vgl. Deutschland 2,99). Ein teilweiser Meldeverzug von 2-3 Wochen ist einzukalkulieren (»Robert Koch-Institut: SurvStat@RKI 2.0, https://survstat.rki.de, Abfragedatum: <28.07.2022>«).

Hoffmann, C. et al.: Affenpocken in Deutschland. Erste klinische Beobachtungen. Dtsch Arztebl 2022; 29. Juli 2022; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0287

32 über die Deutsche AIDS-Gesellschaft und die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter aufgerufene Zentren haben 301 mittels PCR bestätigte MPX-Fälle dokumentiert. Die Fälle lagen im Zeitraum vom 19. Mai bis 23. Juni 2022. Die betroffenen Personen waren ausschließlich Männer, die Sex mit Männern haben. Über 75% der Patienten haben die Infektion vermutlich in Deutschland erworben. 46,7 % der Patienten hatten eine HIV-Infektion, in den allermeisten Fällen mit einem guten Immunstatus und einer wirksamen antiretroviralen Therapie. 44,7 % waren HIV-negativ und nahmen die PrEP ein. Bei 59 % der Männer wurde in den vergangenen 6 Monaten eine STI diagnostiziert bzw. dokumentiert.

Die meisten Läsionen (Hautveränderungen) wurden anal (50,8%), genital (49%) gefunden. Bei 41,7 % der Patienten fanden sich aber auch Veränderungen an Beinen, Armen oder Rumpf. 44,1 % zeigten nur ein bis drei Veränderungen. Fieber (61,3 %), Kopf- und Gliederschmerzen (46,7 %) sowie Lympfknotenschwellungen (44,1 %) waren die häufigsten allgmeinen Begleitsymptome. 5 % der Patienten mussten aufgrund der Schwere der Symptome oder anderer Komplikationen stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. Die Aufenthaltsdauer betrug 3 bis 6 Tage. Mehr entnehmen Sie dem Deutschen Ärzteblatt im Link oben.

Ständige Impfkommission (STIKO): Empfehlung zur Impfung gegen Affenpocken mit Imvanex
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat am 21.06.2022 eine Impfempfehlung erarbeitet. Eine kompakte Zusammenfassung der Empfehlung und wichtige Informationen zur derzeitigen Verfügbarkeit (Stand: 21.06.2022) finden Sie unter aidshilfe.de. Fragen und Antworten des RKI zum Thema finden Sie unter rki.de.

Ständige Impfkommission (STIKO): Pressemeldung vom 21. Juli 2022
In ihrer Pressemeldung vom 21. Juli 2022 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), bei Impfstoffmangel zunächst nur eine Impfstoffdosis pro Person zu verimpfen. Ergebnisse aus tierexperimentellen Studien sowie aus Studien am Menschen zeigen, dass bereits die 1. Impfstoffdosis einen Basisschutz gegenüber Affenpocken vermittelt und die 2. Impfstoffdosis hauptsächlich dazu dient, die Dauer des Impfschutzes zu verlängern. Mehr lesen Sie unter rki.de.

Robert Koch-Institut: Empfehlungen für den Öffentlichen Gesundheitsdienst und Organisatoren von Veranstaltungen
Ziel dieses Dokuments ist es, dem öffentlichen Gesundheitsdienst und Veranstaltungsorganisator*innen zielgruppengerechte Empfehlungen zur Prävention und Sensibilisierung für die anstehenden Sommerveranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise soll die Weiterverbreitung des Affenpockenvirus minimiert werden. Die Empfehlungen finden Sie unter rki.de.

Werkzeugkoffer des WHO-Regionalbüro für Europa und des European Centre for Disease Prevention and Control zu Massen- und Großveranstaltungen
Das WHO-Regionalbüro für Europa und European Centre for Disease Prevention and Control haben gemeinsam einen Werkzeugkoffer zur Unterstützung nationaler Behörden und Veranstalter*innen bei der Planung und Koordinierung von Massen- und Großversammlungen erstellt: Monkeypox Resource toolkit to support national authorities and event organisers in their planning and coordination of mass and large gathering events.

Deutsche AIDS-Gesellschaft und weitere medizinische Fachgesellschaften: Gemeinsame Stellungnahme zum Ausbruch von Affenpocken in Deutschland
Am 27. Mai 2022 haben die Deutsche AIDS-Gesellschaft und weitere medizinische Fachgesellschaften Stellung genommen. Sie empfehlen hinsichtlich des Ausbruchsmanagements durch nicht-pharmakologische Interventionen die zielgruppenspezifischen und Lebenswelt-akzeptierende Aufklärung und Information ("awareness" bei potentiell Betroffenen und medizinischem Personal). Ebenso geht die Stellungnahme auf die Themen Impfung und Behandlung ein. Mehr lesen Sie unter daignet.de.