Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

Robert Koch-Institut zu HIV-Neudiagnosen 2018

Foto: epert, photocase.de12. August 2019 - Das Robert Koch-Institut (RKI) hat das Infektionsepidemiologische Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für das Jahr 2018 veröffentlicht, das auch generelle Aussagen zu der Entwicklung der HIV-Neudiagnosen im vergangenen Jahr enthält.


Rückgang der Neudiagnosen seit 2015

Im Jahr 2018 wurden dem RKI 2.818 HIV-Infektionen gemeldet. Die bundesweite Inzidenz lag damit bei 3,4 Neudiagnosen pro 100.000 Einwohner*innen. Die Zahl der gemeldeten HIV-Neudiagnosen sank damit das dritte Jahr in Folge. Gegenüber dem Vorjahr (3.144) sank die Anzahl 2018 um 326 (10 Prozent).

Im Vergleich mit dem Median der Inzidenz der fünf Vorjahre ging die Inzidenz in 13 Bundesländern, so auch in Nordrhein-Westfalen, ebenfalls zurück.

Von den wahrscheinlich in Deutschland erworben Infektionen wurden 80 Prozent durch gleichgeschlechtliche Kontakte unter Schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben, übertragen. Bei 13 Prozent wurden heterosexuelle Kontakte und bei 6 Prozent i.v.-Drogenkonsum als wahrscheinlichster Infektionsweg angegeben.

Der Rückgang der Diagnosezahlen gegenüber dem Vorjahr ließ sich sowohl für in Deutschland erworbene HIV-Infektionen als auch für die im Ausland erworbene HIV-Infektionen beobachten.


Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben: NRW mit Test und Behandlung erfolgreich 

Der Rückgang der Diagnosezahlen gegenüber 2017 gilt insbesondere für Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben. Der Rückgang war am stärksten in den sexuell besonders aktiven Altersgruppen der 25- bis 49-Jährigen ausgeprägt.

Verglichen mit 2014 ging die Zahl der HIV-Meldungen für Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg um mehr als ein Drittel zurück.

In diesen drei Bundesländern begann der Rückgang der Meldungen bereits zu einer Zeit, zu der die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) kaum eine Rolle spielte. Es kann daher angenommen werden, dass andere Faktoren wie frühzeitigerer Behandlungsbeginn und möglicherweise vermehrte Testung und frühzeitigere Diagnose von HIV-Infektionen einen wesentlichen Anteil an diesem Rückgang hatten.


I.v. Drogen gebrauchende Menschen: Infektionscluster in Köln

Von den 140 Menschen mit Neudiagnosen, die sich 2018 durch i.v.-Drogengebrauch infiziert hatten, lebten 55 in Nordrhein-Westfalen (2016: 19 | 2017: 36). Der Anstieg in Nordrhein-Westfalen beschränkte sich im Wesentlichen auf den Bereich Köln. Eine sporadische Erhöhung der Infektionszahlen unter Drogen gebrauchenden Menschen wurde in den vergangenen Jahren schon einmal in München beobachtet. Wie solche Infektionscluster entstehen, muss weiter untersucht werden.


Heterosexuelle Übertragungen: Ausgeprägter Rückgang in NRW

Auch die Zahl der HIV-Meldungen von Personen, die sich über heterosexuelle Kontakte infiziert haben, ging im Vergleich mit den Jahren 2015 und 2016 in den meisten Bundesländern deutlich zurück. Besonders ausgeprägt sind auch hier die Rückgänge in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Ein Rückgang der Zuwanderung aus Regionen mit höherer HIV-Prävalenz ist wahrscheinlich in erster Linie für diesen Rückgang verantwortlich.


Frauen und Männer: Höchste Inzidenzen in der Altersgruppe der 30-39 Jährigen

Die Inzidenz der HIV-Neudiagnosen lag bei der männlichen Bevölkerung mit 5,4 Fällen/100.000 Einwohner deutlich höher als bei Frauen (1,5). Der Anteil der Frauen unter den HIV-Neudiagnosen (22 Prozent) stieg auf Grund eines stärkeren relativen Rückgangs der männlichen Fälle an.

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen wies die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen die höchsten Inzidenzen von HIV-Neudiagnosen auf. Bei Männern lag die Inzidenz in dieser Altersgruppe bei 12,8 Neudiagnosen pro 100.000 Männer, bei Frauen bei 4,4 pro 100.000 Frauen.


Mehr lesen Sie im Infektions­epi­demio­logischen Jahr­buch des Robert Koch-Institutes für 2018 unter rki.de.

 

Wussten Sie schon: n = n: nicht messbar = nicht übertragbar?

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