Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

Selbsthilfe und Journalist*innen ausgezeichnet

HIV Community Preis17. Juni 2019 - Die Selbsthilfegruppe "frau+mama" und die russischsprachige Drogenselbsthilfe-Initiative BerLUN wurden am Freitagabend auf dem Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress (DÖAK) mit dem HIV-Community-Preis geehrt.

Der Preis der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG), der Deutschen Aidshilfe (DAH), der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (dagnä) und des forschenden Pharmaunternehmens Janssen Deutschland wurde in diesem Jahr zum vierten Mal verliehen. Mit ihm werden alle zwei Jahre nachahmenswerte Projekte ausgezeichnet, die die Lebensumstände von Menschen mit HIV verbessern, Diskriminierung entgegentreten oder frühe HIV-Diagnosen ermöglichen.

Eine unabhängige Jury aus Vertreter*innen der dagnä, der DAIG, der DAH sowie der Community hatte die beiden diesjährigen Preisträger*innen aus rund 30 Bewerbungen ausgewählt. Das Preisgeld in Höhe von jeweils 4.000 Euro stifteten die dagnä und das Unternehmen Janssen Deutschland. Letzteres ermöglichte auch die Konferenzteilnahme der Preisträger*innen.


HIV-Community-Preis für einen Raum für Austausch und Empowerment

Die selbstorganisierte Gruppe "frau+mama" wurde 2015 von vier Frauen, die mit HIV leben, in Berlin gegründet. Mit regelmäßigen Treffen und gemeinsamen Aktivitäten bietet sie Frauen und Müttern mit HIV einen Raum für Austausch und Empowerment. Vorrangiges Ziel ist, Frauen mit HIV durch Wissensvermittlung und Vernetzung zu stärken.

In den Treffen, Chats und gemeinsam entwickelten Projekten werden die weniger beachteten Themen rund um HIV behandelt, die jedoch gerade für junge Frauen und Mütter oft von großer Bedeutung sind: Familienplanung und Familienleben, Schwangerschaft, Geburt, Stillen sowie Sexualität, Partnerschaft, Wohnen und Arbeit.

Darüber hinaus unterstützen sich die Teilnehmer*innen der Gruppe bei ganz praktischen Dingen, wie zum Beispiel der Job-, Hebammen- oder Kitaplatzsuche, sowie mit einer kostenlosen Kinderbetreuung während der Treffen und mit Aktivitäten, an denen auch die Angehörigen teilnehmen können.


Engagement für Drogengebraucher*innen und Menschen mit HIV

BerLUN, die Berliner Selbsthilfe-Initiative von russischsprachigen Menschen, die Drogen konsumieren oder konsumiert haben, hat sich 2017 gegründet. Die Aktivist*innen, einige von ihnen leben mit HIV, engagieren sich für eine humane Drogenpolitik und Angebote der Schadensminimierung beim Drogenkonsum.

Sie unterstützen russischsprachige Drogenkonsument*innen dabei, aus der Kriminalität herauszukommen, informieren über rechtliche und soziale Angebote, klären über medizinische Hilfe auf und beraten Einrichtungen darüber, wie sie Bedarfslücken schließen können.

Mit Straßenaktionen und im Internet setzt sich die Gruppe darüber hinaus gegen Diskriminierung und für die Menschenrechte ein. Ihr Ziel ist es, dass Menschen mit HIV und Drogengebraucher*innen ein menschenwürdiges Leben führen können.


Deutsche AIDS-Stiftung ehrt Journalist*innen und Jugendliche

Auf dem DÖAK wurde am Freitagabend außerdem der Medienpreis HIV/Aids der Deutschen AIDS-Stiftung verliehen.

Florian Winkler-Ohm erhielt die Auszeichnung für seinen Blog flosithiv.com. "Seine Beiträge – zum Beispiel von den wichtigsten Kongressen wie den Welt-AIDS-Konferenzen – sind aktuell, kritisch und engagiert. Ohne zu verharmlosen, einseitig zu sein oder zu dramatisieren", hieß es in der Laudatio. "Er leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung von HIV."

Der Journalist Martin Reichert wurde für sein Buch "Die Kapsel. Aids in der Bundesrepublik" ausgezeichnet. Seine journalistische Leistung, seine Recherche und die Themenbreite des Buches hätten die Jury überzeugt, so die Begründung. "Sein Buch kann helfen, die Lücke zu schließen zwischen der Lebensrealität der älteren und jüngeren HIV-Positiven und ist schon jetzt so etwas wie ein Handbuch zu AIDS in der Bundesrepublik." Den Preis nahm Dr. Thomas Sparr, Editor-at-Large des Suhrkamp-Verlags, für Martin Reichert entgegen.


Mehr lesen Sie unter aidshilfe.de.

 

Wussten Sie schon: n = n: nicht messbar = nicht übertragbar?

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