Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

HIV in Europa 2017: Licht und Schatten

Foto: kallejipp, photocase.de28. November 2018 - Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) hat heute seinen Bericht zu HIV in Europa im Jahr 2017 vorgelegt.

Die HIV-Neudiagnosen nahmen laut dem ECDC 2017 in der WHO-Region Europa weiter zu. Es wurden fast 160.000 HIV-Neudiagnosen gemeldet. Insgesamt ist der zunehmende Trend aber nicht so steil wie in den Jahren zuvor.


Weitere Zunahme im Osten - Unterschiedliche Trends im Westen

Der östliche Teil der Region verzeichnete über 130.000 neue HIV-Diagnosen, die höchste Zahl, die es je gab. Im Gegensatz dazu meldeten die Länder der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EU/EWR) insgesamt einen Rückgang der Neudiagnosen, hauptsächlich aufgrund eines Rückgangs von 20 Prozent seit 2015 bei Schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben. Der Rückgang fand allerdings nicht in allen EU-/EWR-Ländern statt, in einem Drittel dieser Staaten stiegen die Neudiagnosen an.

Aus der EU und dem EWR wurden 25.353 HIV-Neudiagnosen gemeldet, was einer Inzidenz von 6,2 pro 100.000 Einwohner*innen entspricht. Der Anteil der Diagnosen, die erst bei einem fortgeschrittenen Immundefekt (CD4 < 350 cells/mm3) gestellt wurden, lag bei 49 Prozent.

Als Übertragungswege werden bei 38 Prozent mann-männlicher Sex, bei 17 Prozent heterosexueller Sex (Männer), bei16 Prozent heterosexueller Sex (Frauen), bei 4 Prozent i.v. Drogengebrauch, bei kleiner einem Prozent eine vertikale Transmission angenommen. Bei 24 Prozent ist der Übertragungsweg unbekannt.

Aus technischen Gründen konnte Deutschland in diesem Jahr leider keine Daten an das ECDC liefern.


ECDC-Empfehlung

Folgende Maßnahmen leiten das ECDC aus der Entwicklung ab:

  • Empfohlen wird die Aufrechterhaltung und Verstärkung evidenzbasierter HIV-Präventionsmaßnahmen, die auf den lokalen epidemiologischen Kontext zugeschnitten sind und auf die am stärksten gefährdeten Personen abzielen.
  • HIV-Tests sollen verstärkt angeboten werden, um die hohe Anzahl an Spätdiagnosen zu vermindern. Ebenso soll die Verknüpfung mit Behandlungsangeboten verbessert werden.
  • Programme für Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben, sollten ein Eckpfeiler der HIV-Prävention in allen EU/EWR-Ländern sein.
  • Angesichts des hohen Anteils von HIV-Infektionen unter Migrant*innen in vielen EU-/EWR-Ländern, die viele Menschen erst nach der Migration erworben haben, sind auf Migrant*innen zugeschnittene Präventionsangebote von entscheidender Bedeutung.
  • Für i.v. drogengebrauchende Menschen werden weiterhin Maßnahmen der Schadensminimierung benötigt.

Eine Präsentation, die die Daten für die EU und den EWR zusammenfasst, finden Sie unter ecdc.europa.eu.

Den gesamten Bericht finden Sie unter ecdc.europa.eu. Einen informativen Artikel über die dramatischen Unterschiede zwischen dem Osten und dem Westen der WHO-Region Europa finden Sie unter aerzteblatt.de.

Mehr zu HIV in NRW, Deutschland und der Welt sowie zum Welt-AIDS-Tag erfahren Sie in unserem Spotlight "Welt-AIDS-Tag".


Wussten Sie schon: n = n: nicht messbar = nicht übertragbar?

 

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