Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

Robert Koch-Institut: Hepatitis A, B und C im Jahr 2017

RKI Jahrbuch 201727. November 2018 - Das Robert Koch-Institut hat das Infektions­epi­demio­logische Jahr­buch für 2017 veröffentlicht.


Hepatitis A

Im Jahr 2017 wurden bundesweit 1.232 Hepatitis-A-Erkrankungen übermittelt, 495 (67 %) mehr als im Vorjahr. Die bundesweite Inzidenz für Hepatitis A ist somit im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 0,9 auf 1,5 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner*innen angestiegen. Die Erkrankungszahlen zeigten im Jahr 2017 im Vergleich zu den Vorjahren einen weniger ausgeprägten saisonalen Verlauf mit einem Anstieg in den Monaten September bis November. Dieser Anstieg spiegelt - verzögert durch die bis zu 50 Tage lange Inkubationszeit - die vermehrte Reiseaktivität und das damit verbundene erhöhte Infektionsrisiko in den Sommer- und Herbstmonaten wider, wurde jedoch im Jahr 2017 durch Hepatitis-A-Infektionen unter Männern, die Sex mit Männern haben, überlagert.

Die Inzidenz lag in den Bundesländern Berlin, dem Saarland, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen über dem bundesweiten Durchschnitt. Größere Anstiege im Vergleich zu den Vorjahren wurden unter anderem in Berlin (Anstieg um 231 %), und Nordrhein-Westfalen (101 %) beobachtet. Im Vergleich zum Vorjahr hat ein europaweiter Hepatitis-A-Ausbruch unter Männern, die Sex mit Männern haben beigetragen, der in Deutschland insbesondere Berlin betraf.

Die Mehrzahl der an Hepatitis A Erkrankten war ungeimpft. Ein nicht geringer Anteil der Infektionen wurde im Ausland erworben und hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit bei geplantem Auslandsaufenthalt durch einen zeitgerechten vollständigen Impfschutz vermieden werden können. Zudem sollten insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben, auf ihren Impfschutz achten.


Hepatitis B

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 3.582 Hepatitis-B-Virus-Infektionen übermittelt, die der Referenzdefinition entsprachen. Dies sind 551 mehr als im Vorjahr. Die Inzidenz der Hepatitis B in Deutschland betrug 4,4 Infektionen pro 100.000 Einwohner*innen. Während die Fallzahlen im Vorjahr über das Jahr gesehen weitgehend konstant waren, stiegen sie im zweiten Halbjahr 2017 stark an.

Verglichen mit dem Median der Vorjahre stieg die Inzidenz in Nordrhein-Westfalen wie in 14 anderen Bundesländern an. Bundesweit wurde als wahrscheinliches Infektionsland am häufigsten Deutschland genannt (53 %), gefolgt von Sierra Leone (7 %), Rumänien (5 %) und Syrien (4 %).

Nur bei 4,6 % der übermittelten Infektionen wurden für die Auswertung ausreichende Angaben zum wahrscheinlichen Übertragungsweg gemacht. Sexuelle Transmission wurde am häufigsten genannt, darunter auch gleichgeschlechtliche Kontakte unter Männern. Als zweithäufigster Übertragungsweg wurde die Wohngemeinschaft mit einem Hepatitis-B-Virusträger angegeben, gefolgt von i. v.-Drogenkonsum.


Hepatitis C

Für das Jahr 2017 wurden insgesamt 4.798 Fälle von Hepatitis C übermittelt. Dies entsprach einer bundesweiten Inzidenz von 5,8 Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner*innen. Damit war die Inzidenz um 8 % höher als die des Jahres 2016 (5,4).

Der Vergleich der Inzidenzen der einzelnen Bundesländer ergab eine weite Inzidenzspanne: Die Inzidenzen variierten in den Bundesländern zwischen 1,8 Infektionen/100.000 Einwohner*innen in Bremen und 8,8 in Berlin. Ein Inzidenzanstieg im Jahr 2017 – verglichen mit dem Median der Jahre 2012 bis 2016 des jeweiligen Bundeslands – war in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen und in geringem Maß auch in Hamburg, Niedersachsen
und Brandenburg zu verzeichnen.

Bei 1.291 (27 %) der gemäß Referenzdefinition übermittelten Hepatitis-C-Virus-Infektionen fanden sich Angaben zum wahrscheinlichen Infektionsland (Mehrfachnennungen möglich). Deutschland wurde 1.051-mal angegeben (80 % der 1.311 Nennungen). Die meisten Nennungen eines Landes außerhalb Deutschlands entfielen auf die Russische Föderation (3 %).

Intravenöser Drogengebrauch, der mit großer Wahrscheinlichkeit in kausalem Zusammenhang zur festgestellten Hepatitis C steht, wurde für 879 Infektionen (78 % der ingesamt 1.129 Infektionen mit Angaben zum Übertragungsweg) übermittelt (2016: 74 %, n=791). Von diesen lag bei 52 Infektionen die nähere Spezifizierung »i. v.-Drogenkonsum in Haft« vor. An zweiter Stelle der Risiken steht der Erhalt von Blutprodukten vor der Einführung der diagnostischen Testung von Blut und Blutprodukten im Jahr 1991 (9,3 % aller Infektionen mit belastbaren Angaben zum Übertragungsweg).

Bei Männern war bei 80 Infektionen die Übertragung durch sexuelle Kontakte mit Männern als wahrscheinlicher Übertragungsweg angegeben, darunter waren 8 mit einem bekannt HCV-positiven Partner und 72 mit unbekanntem Infektionsstatus des Partners. Heterosexueller Kontakt mit einem HCV-positiven Partner wurde bei 52 Infektionen (4,6 %) angegeben.

Deutschland hat sich den Eliminationszielen viraler Hepatitis der WHO bis 2030 verschrieben. Um diese zu erreichen, besteht Verbesserungsbedarf bei der Fallfindung, Prävention und Behandlung insbesondere bei Drogengebrauchenden und anderen Gruppen mit erhöhter Prävalenz und Inzidenz.

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