Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

UNAIDS: Weckruf für die Prävention!

Foto: UNAIDS18. Juli 2018 - "Die weltweite AIDS-Bekämpfung ist an einem riskanten Punkt angelangt. Teilerfolge bei der Rettung von Menschenleben und der Reduzierung der HIV-Neuinfektionen machen einer Selbstzufriedenheit Platz." So beginnt das Vorwort des Generaldirektors von UNAIDS, Michel Sidibé, zum neuen Welt-AIDS-Bericht "Miles to go" im Vorfeld der Welt-AIDS-Konferenz 2018 in Amsterdam.

Auf halbem Weg zu den Zielen für 2020 entspreche das Tempo der Fortschritte nicht den globalen Ambitionen. Dieser Bericht sei ein Weckruf, der uns jetzt wieder auf Kurs bringen könne, um die Ziele für 2020 zu erreichen, ergänzte Sidibé.


Für die HIV-Behandlung bedarf es weiterer Anstregungen

Die Zahl der weltweiten AIDS-bedingten Todesfälle ist zwar derzeit die niedrigste in diesem Jahrhundert: Dank des besseren Zugangs zu Behandlung sterben weniger als eine Million Menschen im Jahr an AIDS-bedingten Erkrankungen. Und, eben so wichtig, drei Viertel aller Menschen, die mit HIV leben, kennen jetzt ihren HIV-Status, was den ersten Schritt in Richtung Behandlung bedeutet. Insgesamt sind heute schätzungsweise 21,7 Millionen Menschen in Behandlung, ein Anstieg um 2,3 Millionen im Vergleich zum Jahresende 2016.

Dies reicht jedoch nicht aus. In den nächsten drei Jahren müssen jeweils weitere 2,8 Millionen Menschen in Therapie kommen. Bisher stehen dafür aber keine zusätzlichen Mittel zu Verfügung. Hinzu kommt ein Mangel an medizinischen Fachkräften und das Weiterbestehen von Stigmatisierung und Diskriminierung.


HIV-Prävention in der Krise

Bei der weltweiten Reduzierung der HIV-Neuinfektionen sind weniger Erfolge zu verzeichnen. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen sinkt zwar, im Jahr 2017 auf geschätzt 1,8 Millionen. Der Fortschritt ist aber zu klein, um im Jahr 2020 eine Reduzierung auf 500.000 Neuinfektionen zu erreichen. So wurden im Jahr 2017 180.000 Kinder mit HIV infiziert, obwohl man sich für 2018 die Eliminierung von Neuinfektionen bei Kindern zum Ziel gesetzt hatte. Frauen und Mädchen sind weltweit weiterhin überproportional betroffen. Die Bekämpfung von körperlicher und sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen sieht UNAIDS als einen wichtigen Weg, hier Verbesserungen zu erreichen.


Stigmatisierung und Diskriminierung führen zu mehr Neuinfektionen und zu mehr Todesfällen

Stigmatisierung und Diskriminierung verhindern immer noch den Zugang zu Prävention und Behandlung. Sidibé benennt als diskriminierte Gruppen Sexarbeiter*innen, schwule Männer und andere Männer, die Sex mit Männern haben, i.v. drogengebrauchende Menschen, Transgender, Gefangene und Migrant*innen. Er sieht hier vor allem die Gesetzgeber in der Pflicht. "Gesetze, die die HIV-Übertragung, die Sexarbeit, den individuellen Drogenkonsum oder die sexuelle Orientierung diskriminieren, müssen weg, und zwar jetzt!", schließt, wie immer leidenschaftlich, Sidibé das Vorwort.


Die Generalversammlung der Vereinten Nationen war im Juni 2016 übereingekommen, dass das Ende von AIDS als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit im Jahr 2030 das Erreichen dreier Zwischenziele im Jahr 2020 erfordert:

  • Reduzierung der HIV-Neuinfektionen unter 500.000 pro Jahr weltweit
  • Reduzierung der AIDS-bedingten Todesfälle unter 500.000 pro Jahr weltweit
  • Eliminierung des HIV-bezogenen Stigmas und der Diskriminierung


Den aktuellen Welt-AIDS-Bericht finden Sie unter unaids.org.


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