Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

Jahresstatistik 2017 der Drogenkonsumräume in NRW

Logo Landesstelle Sucht NRW17. Mai 2018 - Die Landestelle Sucht NRW hat den Jahresbericht der Drogenkonsumräume 2017 veröffentlicht. Nordrhein-Westfalen verfügt über zehn Drogenkonsumräume. Ihr Angebot dient der Gesundheits-, Überlebens- und Ausstiegshilfe für Drogengebrauchende. Gesundheitsgefahren, zum Beispiel Infektionen mit HIV oder Hepatitis, werden mit dem Ziel gesenkt, das Überleben von Substanzgebrauchenden zu sichern.


Beeindruckende Leistungsbilanz: Knapp 250.000 Mal konkrete Gesundheits- und Überlebenshilfe

In 2017 waren insgesamt 248.208 Konsumvorgänge zu verzeichnen. Damit hat es im Vergleich zum Vorjahr einen erneuten Anstieg an Konsumvorgängen um 17 Prozent gegeben. Bereits im Jahresvergleich von 2015 und 2016 war ein Anstieg der Konsumvorgänge um 14 Prozent zu verzeichnen. In Relation zur Gesamtzahl der Konsumvorgänge ist der Anteil der Konsumvorgänge von Frauen und Männern (11 Prozent/89 Prozent) gleichbleibend.


Inhalativer Konsum langsam ansteigend

Der Großteil der Konsumvorgänge bei Frauen und Männern besteht aus Opiatkonsum, gefolgt vom Kokainkonsum. Insgesamt betrachtet ist der inhalative Konsum mit 51 Prozent der Konsumvorgänge die am häufigsten genutzte Konsumart. Der Anteil des intravenösen Konsums betrug 45 Prozent. Betrachtet man die letzten drei Jahre, ist es gelungen, mehr Menschen zu der weniger gesundheitsschädlichen Konsumart "inhalativer Konsum" zu motivieren.


Nutzer*innen werden älter

Die meisten Nutzer*innen gehören der Altersgruppe von 36 bis 45 Jahren an. Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Nutzer*innen und Nutzer kontinuierlich "älter" werden. Dies ist ein erfolgreiches Ergebnis der Gesundheits- und Überlebenshilfen.


Substituierte nutzen das Angebot zunehmend

Mit der Änderung der Verordnung über den Betrieb der Drogenkonsumräume Ende 2015 ist erkennbar Substituierten der Zugang zu den Drogenkonsumräumen ermöglicht worden. Insgesamt wurden 2017 mit 59.330 Konsumvorgängen erkennbar Substituierter doppelt so viele wie in 2016 dokumentiert. Das entspricht einem Anteil von 24% der gesamten Konsumvorgänge.


Viele zusätzliche Angebote und weiterführende Hilfen

24.488 Mal wurden darüber hinaus ärztliche bzw. medizinische Hilfen, wie beispielsweise Wundversorgung oder Impfungen, geleistet. 12.870 Mal wurden Nutzer*innen mit Interventionen wie Beratung, Krisenhilfe und Krisenintervention psychosozial unterstützt. In 17.577 Fällen wurden Menschen mit und ohne Substitution zu Safer Use beraten.

18.414 Fälle sind in weiterführende Hilfeangebote des Drogenhilfesystems vermittelt worden. Die Anzahl der Vermittlungen ist von 2016 auf 2017 u rund 12 Prozent gestiegen. Die Vermittlung in Drogentherapeutische Ambulanzen sowie in soziale Hilfen wie Notschlafstellen waren dabei die häufigste Vermittlungsform.


Erste Hilfe und Verhinderung von Todesfällen

Insgesamt kam es in 329 Fällen zu physischen und psychischen Beeinträchtigungen unmittelbar nach dem Drogenkonsum in den Drogenkonsumräumen. Mit 0,13 Prozent der gesamten Konsumvorgänge ist der Anteil von auftretenden Drogennotfällen im Jahresvergleich leicht rückläufig. Die Mitarbeiter*innen leisteten in allen Fällen Erste Hilfe. Zusätzlich wurden dabei in drei Fällen Drogentodesfälle durch sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen verhindert. Notärztliche Hilfen wurden in 139 Fällen hinzugezogen und der Transport ins Krankenhaus war bei 108 Fällen erforderlich.

Die Drogenkonsumraumstatistik 2017 finden Sie hier (PDF) und unter landesstellesucht-nrw.de.

Lesen Sie auch die Veröffentlichung der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht: Drogenkonsumräume. Überblick über das Angebot und Evidenzdaten. Lissabon, Juni 2017

 

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