Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

Welt-AIDS-Tag 2017

Weltweit leben etwa 36,7 Millionen Menschen mit HIV. 2016 infizierten sich 1,8 Millionen Menschen neu mit dem Virus. Eine Million Menschen ist 2016 an AIDS verstorben. Noch lange haben nicht alle Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten.

Und noch immer erleben Betroffene Ausgrenzung und Stigmatisierung. Am 1. Dezember findet deshalb jedes Jahr der Welt-AIDS-Tag statt. Ziel ist es, dafür zu sensibilisieren, wie wichtig ein Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung ist – und zu zeigen, dass wir alle positiv zusammen leben können.

Am 26. Oktober 2017 ist der Startschuss für die diesjährige Informationskampagne des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der Deutschen AIDS-Hilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung zum Welt-AIDS-Tag gefallen.

Zum Kampagnenstart erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: "Deutschland gehört dank der erfolgreichen Präventionsarbeit und der guten Behandlung zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa. Diese Anstrengungen müssen kraftvoll fortgesetzt werden mit dem Ziel, die Zahl der Ansteckungen weiter zu senken. Dazu gehört auch, über die Krankheit zu informieren und so Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit HIV-infizierten Menschen abzubauen, damit ein vorurteilsloses Zusammenleben zur Selbstverständlichkeit wird."


Zum Hintergrund der Kampagne

Verunsicherung, Angst und Vorurteile in der Bevölkerung führen immer noch dazu, dass Menschen aufgrund Ihrer HIV-Infektion ausgegrenzt werden. Immer noch wird hinter dem Rücken von Menschen mit HIV getuschelt, der Kontakt mit ihnen wird gemieden und in einigen Fällen ist sogar der Arbeitsplatz in Gefahr. Die diesjährige Kampagne will deshalb Berührungsängste abbauen und zeigen, dass positiv zusammen leben zwischen Menschen mit und ohne HIV bereits stattfindet und möglich ist.

Mehr zur Kampagne finden Sie unter welt-aids-tag.de, auf facebook.com/WeltAidsTag und twitter.com/weltaidstag_de.


Aktionsmaterial, Veröffentlichung von Aktionen, Hintergründe

Beratungsstellen, Schulen und weitere interessierte Organisationen können auch 2017 wieder kostenlose Innenraumplakate, Flyer, Postkarten und Taschentücher bei der BZgA für ihre Aktionen bestellen unter welt-aids-tag.de.

Auf der Kampagnen-Webseite kann man zudem wieder eigene Aktionen zum Welt-AIDS-Tag bekannt machen. Dazu steht das Online-Formular zur Verfügung unter welt-aids-tag.de.

Factsheets zu den Themen

  • Welt-AIDS-Tags-Kampagne
  • Daten und Fakten zum Welt-AIDS-Tag
  • Diskriminierung von Menschen mit HIV
  • Wirtschaftliche Lage von Menschen mit HIV
  • HIV-Therapie
  • Repräsentative Befragung: Wissen und Einstellungen der Bevölkerung zu den Infektionsrisiken mit HIV im Alltag

und weitere Informationen finden Sie unter welt-aids-tag.de.

Laut der Eckdaten der Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) für NRW liegt die Zahl der Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2016 bei etwa 640. Ca. 510 Personen (rund 80 Prozent) sind Männer, etwa 130 Personen Frauen (ca. 20 Prozent).

Rund 430 Personen (etwa 67 Prozent) haben sich über mann-männlichen Sex infiziert. Etwa 160 Personen (ca. 25 Prozent) haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert. Rund 45 Personen (7 Prozent) sind Drogen gebrauchende Menschen.

Am Ende des Jahres 2016 leben rund 19.200 (Schwankungsbreite: 17.600 - 20.600) Menschen mit HIV oder AIDS in Nordrhein-Westfalen. Etwa 15.700 sind männlich, etwa 3.500 weiblich.

HIV-Erstdiagnosen wurden in NRW im Jahr 2016 etwa 850 gestellt, etwa 280 davon (33 Prozent) erst bei fortgeschrittenem Immundefekt. Von den 280 Personen wiesen 120 bereits AIDS-definierende Erkrankungen auf. 2016 gab es etwa 120 Todesfälle bei HIV-Infizierten.

Mehr lesen Sie in den RKI-Eckdaten für NRW 2016 (PDF).

Laut der Eckdaten der Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) für Deutschland liegt die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland im Jahr 2016 bei etwa 3.100. Ca. 2.500 Personen (rund 81 Prozent) sind Männer, etwa 570 Personen Frauen (ca. 18 Prozent).

Rund 2.100 Personen (etwa 68 Prozent) haben sich über mann-männlichen Sex infiziert. Etwa 750 Personen (ca. 24 Prozent) haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert. Rund 240 Personen (8 Prozent) sind Drogen gebrauchende Menschen. Die Mutter-Kind-Übertragungen lagen unter 10.

Am Ende des Jahres 2016 leben rund 88.400 (Schwankungsbreite: 81.500 - 94.700) Menschen mit HIV oder AIDS in Deutschland. Etwa 71.900 sind männlich, etwa 16.600 weiblich.

HIV-Erstdiagnosen wurden in Deutschland im Jahr 2016 etwa 3.700 gestellt, etwa 1.100 davon (30 Prozent) erst bei fortgeschrittenem Immundefekt. Von den 1.100 Personen wiesen 500 bereits AIDS-definierende Erkrankungen auf. 2016 gab es etwa 460 Todesfälle bei HIV-Infizierten.

Mehr lesen Sie in den RKI-Eckdaten für Deutschland 2016 (PDF).


Verbesserung der Testangebote und des Zugangs zur Behandlung weiter notwendig

Im Epidemiologischen Bulletin Nr. 47 vom 23. November 2017 fasst das Robert Koch-Institut die Entwicklung folgendermaßen zusammen:

  • Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland und bei Menschen deutscher Herkunft, die sich im Ausland mit HIV infiziert haben, wird für das Jahr 2016 auf 3.100 geschätzt und bleibt damit gegenüber 2015 konstant. Die Zahl der Menschen, die sich mit HIV infiziert haben, jedoch noch nicht diagnostiziert wurden, steigt seit 2006 stetig an und hat sich von etwa 10.900 im Jahr 2006 auf geschätzte 12.700 im Jahr 2016 erhöht. Insgesamt wird geschätzt, dass Ende 2016 etwa 88.400 Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland lebten.
  • Die Anzahl der geschätzten HIV-Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) ging von etwa 2.500 Neuinfektionen im Jahr 2013 auf 2.100 Neuinfektionen im Jahr 2016 zurück. Bei Personen mit intravenösem Drogenkonsum sowie Personen, die sich in Deutschland auf heterosexuellem Weg infiziert haben, ist die Anzahl der HIV-Neuinfektionen seit 2010 angestiegen. Im Jahr 2016 ging die Zahl der HIV-Erstdiagnosen bei Menschen aus allen ausländischen Herkunftsregionen zurück.
  • Seit 2015 empfehlen die HIV-Behandlungsleitlinien jede diagnostizierte HIV-Infektion in Deutschland umgehend antiretroviral zu therapieren. Der Anteil der Personen, die mit einer HIV-Infektion diagnostiziert wurden und eine antiretrovirale Therapie erhalten, ist von 74 % im Jahr 2006 auf 86 % im Jahr 2016 angestiegen. Etwa 93 % dieser Therapien verliefen im Jahr 2016 erfolgreich
  • Die Modellierungsergebnisse zeigen auf, dass die Strategie zur Eindämmung von HIV weiter konsequent umgesetzt werden sollte, insbesondere durch eine weitere Verbesserung der Testangebote und die Gewährleistung des Zugangs zur Therapie für alle in Deutschland von HIV betroffenen Menschen inklusive der Menschen ohne Krankenversicherung.


AIDS im öffentlichen Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland 2016

"Im Jahr 2016 wurden 87 Prozent der Bevölkerung mit mindestens einem der HIV/STI-Aufklärungsmedien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten erreicht." Dies ist ein Ergebnis der jüngsten Wiederholungsbefragung zu Wissen, Einstellungen und Verhalten zum Schutz vor HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) 2016 der BZgA. Mehr lesen Sie unter bzga.de.


Repräsentative Bevölkerungsbefragung anlässlich des Welt-AIDS-Tages 2017

"Die Mehrheit der Bevölkerung gibt an, in Bezug auf das Thema HIV/ AIDS keine Berührungsängste zu haben. Im alltäglichen Umgang mit HIV-positiven Menschen bestehen bei Teilen der Befragten aber immer noch Unsicherheiten. Diese manifestieren sich mitunter in Vorurteilen, Schuldzuweisungen und Ablehnung ("Menschen mit HIV sind selbst schuld an ihrer Erkrankung", "Ich würde mich schämen, wenn jemand in meiner Familie mit HIV infiziert wäre")." ... Nur jede*r Zehnte weiß, dass eine antiretrovirale Behandlung einen wirksamen Schutz vor einer HIV-Übertragung darstellt. ... "Bei der Bewertung unterschiedlicher Situationen, die bei der Begegnung oder dem Zusammenleben mit HIV-positiven Menschen auftreten können, zeigt sich über verschiedene Lebensbereiche hinweg, dass Bedenken und Sorgen umso größer werden, wenn es zum direkten (Körper-)kontakt kommt. Direkt oder indirekt können hieraus Situationen entstehen, in denen Menschen mit HIV im Alltag Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt sind." Dies sind einige Ergebnisse der repräsentativen Bevölkerungsbefragung der BZgA anlässlich des Welt-AIDS-Tages 2017. Mehr lesen Sie unter bzga.de.

Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) meldet für 2016 160.453 HIV-Neudiagnosen aus 51 von 53 Ländern der WHO-Region Europa (Inzidenz: 18,2 pro 100.000 Einwohner*innen). Davon wurden 29.444 aus der Europäischen Union (EU) und dem Europäischen Wirtschaftsraum /EEA) gemeldet.


Dramatische Zahlen aus dem Osten der WHO-Region Europa

103.438 der oben genannten 160.453 Neudiagnosen wurden vom Zentrum für Prävention und Bekämpfung von AIDS der Russischen Föderation festgestellt.

Im Osten der WHO-Region Europa waren die Zahl der Neudiagnosen sowie die Inzidenzen (50,2 per 100.000) am höchsten; deutlich niedriger waren sie im Westen und der EU/EEA (6,2 bzw. 5,9 per 100.000). Die niedrigsten Inzidenzen fanden sich in der Mitte (2,9 per 100.000) der WHO-Region Europa.

Die Hauptinfektionswege unterschieden sich je nach Region. Sex zwischen Männern war der Hauptübertragungsweg in der EU/dem EEA. I.v. Drogenkonsum war im Osten der wichtigste Übertragungsweg.


Eine von zwei Diagnosen erfolgen bei fortgeschrittenem Immundefekt

Die Hälfte aller Diagnosen im Jahr 2016 erfolgte als Spätdiagnose (CD4-Zellzahl < 350 Zellen/μl). Bei 14.897 Menschen wurde 2016 AIDS diagnostiziert (Bericht aus 48 Ländern); die Inzidenz betrug 2,1 pro 100.000. Während die Zahl der AIDS-Fälle im Westen und in der EU/dem EEA stetig fällt, hat sie sich im Osten in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt.

Den HIV/AIDS-Surveillance-Report 2017 des ECDC mit den Daten des Jahres 2016 finden Sie unter ecdc.europa.eu.

Kampagne "Meine Gesundheit, mein Recht."

Mit dem Slogan "Meine Gesundheit, mein Recht" stellt UNAIDS das Menschenrecht auf Gesundheit in das Zentrum der Kampagne zum Welt-AIDS-Tag 2017.

Die Kampagne der AIDS-Organisation der Vereinten Nationen soll deutlich machen, dass der Zugang zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsdiensten und Arzneimitteln nur eine wichtige Rahmenbedingung für Gesundheit ist. Ebenso zentral für die Entwicklung und Erhaltung der Gesundheit sind viele weitere Faktoren: Zum Beispiel Zugang zu Gesundheitserziehung, Geschlechtergerechtigkeit, gesunde Nahrungsmittel und Arbeitsbedingungen, eine saubere Umwelt und respektvolle und diskriminierungsfreie Behandlung.

UNAIDS weist darauf hin, dass diskriminierte und stigmatisierte gesellschaftliche Gruppen – wie zum Beispiel i.v. drogengebrauchende Menschen, Inhaftierte, schwule Männer, und Menschen mit Migrationsgeschichte – oft nur ungenügenden Zugang zu gesundheitsförderlichen Lebensbedingungen haben und ihnen damit Präventions- und Behandlungschancen verwehrt werden.

Mit der Kampagne „My Health, My Right“ will UNAIDS daher dazu ermutigen, für seine Rechte einzutreten und sich gegen Ungleichbehandlung im Gesundheitswesen zu engagieren.

Mehr zur Kampagne finden Sie unter unaids.org.


Das Ziel: Ende der AIDS-Epidemie im Jahr 2030

Die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben sich 2016 verpflichtet, eine anspruchsvolle Agenda zur Beendigung der AIDS-Epidemie bis 2030 umzusetzen.

Damit dies gelingen kann, sollen bis 2020 die sogenannten 90-90-90-Ziele erreicht werden:

  • 90 Prozent aller mit HIV Lebenden sollen von ihrer Infektion wissen.
  • 90 Prozent aller Diagnostizierten sollen Zugang zur Behandlung haben.
  • Bei 90 Prozent der Behandelten soll HIV nicht mehr nachweisbar sein.

Zugleich gelte es, neue HIV-Infektionen durch den Abbau von Stigma und Diskriminierung zu verhindern (0 Prozent Diskriminierung) und sicherzustellen, dass 90 Prozent aller Menschen Zugang zu den verschiedenen Angeboten der HIV-Prävention haben.


Epidemiologie

Laut UNAIDS DATA 2017 lebten 2016 auf der Welt 36,7 Millionen Menschen mit HIV. 2016 infizierten sich 1,8 Millionen Menschen neu mit dem Virus. Eine Million Menschen ist 2016 an AIDS verstorben. Mehr lesen Sie unter unaids.org.

Die rote Schleife symbolisiert weltweit Solidarität mit Menschen mit HIV/AIDS. Im Frühjahr 1991 entwickelte Visual AIDS in New York die Idee für ein globales Symbol im Kampf gegen die Immunschwäche AIDS.

Ein Symbol für Solidarität und Toleranz gegenüber den von der Gesellschaft häufig ausgegrenzten HIV-Positiven und AIDS-Kranken. Seit der Nutzung der roten Schleife in Deutschland im Jahr 1993 wurden hier viele Millionen roter Schleifen verteilt.